Familienrat als neues Angebot der Jugendhilfe im Landkreis Böblingen

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Efra hatte vor kurzem ihren vierten Geburtstag. So richtig Zeit um mit ihr zu feiern, hatte aber niemand. Efra hat in ihrem kurzen Leben schon viel erlebt, manches war für das kleine Mädchen schön, vieles aber nicht. Efras Mutter ist an Krebs erkrankt, damals war Efra gerade 2 Jahre alt. In der Zwischenzeit geht es ihrer Mutter etwas besser, die psychischen und körperlichen Belastungen sind aber zum Teil geblieben und nehmen viel Raum im Leben der Familie ein. „Efra ist doch noch so klein und trotzdem muss sie oft schon groß sein, das ist nicht gut für ein Kind!“ so drückt Frau K. ihre Sorgen aus. Gerne wäre sie mehr für ihre Tochter da, würde gerne mit ihr auf den Spielplatz gehen, ihr etwas vorlesen und sie vor allem öfter in den Arm nehmen. Dazu fehlt Frau K. aber allzu oft die Kraft. Herr K. sieht die Not seiner Frau und auch, dass es Efra momentan nicht gut geht, sie bräuchte von vielem mehr. Er selbst versucht jeden Tag so schnell als möglich von der Arbeit nach Hause zu kommen, um Zeit mit seiner Frau und seiner Tochter zu verbringen. Aber Herr K. kommt immer mehr an seine Grenzen. Auch die Erzieherinnen im Kindergarten merken, dass Efra oft für sich alleine spielt und häufig traurig ist. Als sie Frau K. darauf ansprechen, erzählt Efras Mutter von der belastenden Situation zu Hause: „Efra bekommt oft mit, dass es mir schlecht geht, dann kümmert sie sich um mich, eigentlich sollte es doch anders herum sein. Es dreht sich so viel um meine Erkrankung, ich kann mit niemand über meine Ängste sprechen und für mein Kind habe ich auch kaum Kraft.“ Die Erzieherinnen schlagen Frau K. einen Familienrat vor.

Zuerst sind Efras Eltern sehr skeptisch: „Wir sollen Anderen von unseren Problemen erzählen und sie einladen, um mit uns nach Lösungen zu suchen, wer soll da denn kommen? Ulrike Lösch, von der Fachstelle Familienrat beim Amt für Jugend: „Jede Familie entscheidet selbst, wen sie gerne dabei haben möchte. Egal ob die Tante, eine Nachbarin, ein Arbeitskollege oder eine Freundin, alle sind willkommen und können dazu beitragen, dass gute Lösungen für die Familie gefunden werden.“

Die Erzieherinnen machen Frau und Herrn K. Mut bei der Fachstelle „Familienrat“ beim Jugendamt anzurufen und zu fragen wie so ein Treffen funktioniert. Efras Eltern sind froh als sie hören, dass sie einen Familienrat nicht alleine planen und organisieren müssen, sie werden darin von einer Bürgerkoordinatorin oder einem Bürgerkoordinator unterstützt. „Das sind Bürger und Bürgerinnen die aus den verschiedensten Berufsfeldern kommen, Spaß am Organisieren haben und auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. In einer 3-tätigen Schulung wurden die Koordinatoren auf die Aufgabe vorbereitet“ erklärt Wolfgang Trede, Leiter des Amtes für Jugend, das Konzept im Landkreis Böblingen.

Zu Efras Familienrat kommen die unterschiedlichsten Menschen und alle sind motiviert, sich gemeinsam auf die Suche nach Lösungen zu machen. Frau K. ist froh diesen Schritt gegangen zu sein: „Erst dachte ich, dass vielleicht gar niemand kommen möchte, aber dann hat einer nach dem anderen zugesagt. Als dann alle um den Tisch herum gesessen sind, war das so ein tolles Gefühl!“ Auch Herr K. ist froh den Familienrat gemacht zu haben: „Efra darf jetzt eine Stunde länger im Kindergarten bleiben, eine Nachbarin holt sie dort ab und bringt sie nach Hause. Meine Cousine geht einmal in der Woche mit Efra auf den Spielplatz und ins Kinderturnen. Ich bin auch sehr froh, dass die Nachbarin vorgeschlagen hat, dass meine Frau zur Beratungsstelle gehen könnte. Bestimmt macht sie das auch! Wir haben einen richtigen Plan gemacht ‚wer macht wann was. Efra hat sich besonders darüber gefreut, dass ihre Erzieherin gekommen ist. „

„Ich bin sehr froh, dass der Jugendhilfeausschuss in diesem Jahr zugestimmt hat, den „Familienrat“ als ein festes Angebot im Amt für Jugend zu verankern, weil ich davon überzeugt bin, dass Familien viele Stärken haben und oft selbst am besten wissen, welche Unterstützung sie benötigen,“ so Wolfgang Trede, Leiter des Jugendamtes im Landkreis Böblingen.

Für Efra und ihre Eltern hat sich der Familienrat gelohnt. Auch wenn nicht sofort alles anders ist, es gibt Ideen und erste Schritte in eine gute Richtung.

Jede Familie im Landkreis Böblingen kann einen Familienrat erhalten. Der Familienrat ist ein für die Familie kostenloses Angebot und wird durch die Fachstelle Familienrat beim Amt für Jugend vermittelt. Eltern können sich direkt an Ulrike Lösch wenden oder das Jugendamt nimmt, mit der Zustimmung der Familie, Kontakt mit Frau Lösch auf. Frau Lösch ist erreichbar per Telefon: 07031/663-1191 oder per E-Mail: u.loesch@lrabb.de.

Kategorie Landratsamt aktuell.
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